Bilal Erkin

Bilal Erkin (* 2. Mai 1987 in Köln) ist ein deutsch-türkischer IslamwissenschaftlerTheologe und Informatiker. Von Dezember 2013 bis September 2019 war er Referent beim Avicenna-Studienwerk. Seit 2009 ist Erkin selbständiger Unternehmer für Web- und Mediendesign. 2017 gründete er das Start-Up Muslim Planner.

Leben

Erkin wurde als erster Sohn einer türkischen Arbeiterfamilie aus Aydın in Köln-Kalk geboren. Nach seiner Schulzeit studierte Erkin von 2007 bis 2010 Islamwissenschaften am Orientalischen Seminar und Informationsverarbeitung an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln im Bachelor, von 2010 bis 2012 Islamische Theologie im Institut für Arabistik und Islamwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Master. 2013 begann er seine Promotion im Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück mit dem Thema Das Konzept des Wissens (ʿilm) in der mystischen Koranexegese.[1] Seinen Wechsel von der Islamwissenschaft in die bekenntnisgebundene Theologie begründet er damit, dass ihm die theologische Komponente in der Hochschulausbildung sehr gefehlt habe. Theologen hätten durch die Ausbildung eine besondere Rolle für den Transfer theologischer Primärliteratur in die deutsche Sprache. Dadurch hätten sie eine besondere Rolle für die Integration der Muslime in die Mehrheitsgesellschaft.[2] Er ist zuversichtlich, dass muslimische Theologen „in Zukunft möglicherweise auch Jobs in Ministerien, in Bildungseinrichtungen und bei islamischen Verbänden“ als Fachpersonal arbeiten können.[3] Ziel der bekenntnisgebunden theologischen Zentren solle aus seiner Sicht nicht nur die akademische Auseinandersetzung mit dem islamischen Glauben sein, sondern auch Vorurteile in der Gesellschaft durch die akademischen Ergebnisse anzustoßen.[4] Man biete damit „eine Alternative zu radikalen Gruppen und Fundamentalisten“.[5]

Erkin war neben seiner akademischen Laufbahn beruflich in der Aufbauphase vieler muslimischer Einrichtungen und Institutionen tätig. 2009 gründete er mit Kommilitonen in Köln das ehrenamtliche bundesweite Projekt StudyCoach 2.0, welches ein Jahr später im Rahmen der ersten Konferenz des Netzwerks Zahnräder in Wuppertal zu einer bundesweiten Initiative erweitert wurde[6], um Studieninteressierte zu beraten und zu begleiten[7][8][9]. Das Projekt kann als eine „muslimische Vergemeinschaftungsform beobachtet werden, die von Emanzipations- und Erneuerungsgedanken getragen“ wird[10]. StudyCoach 2.0 wurde 2011 mit der Auszeichnung Impulsprojekt geehrt[11].

Zwischen 2012 und 2013 arbeitete er für die Aufbauphase des Zentrums für Islamische Theologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, das im Oktober 2012 feierlich eröffnet wurde.[12] Nachdem er Anfang 2013 für seine Doktorarbeit nach Osnabrück zog, nahm er eine Tätigkeit als Wissenschaftliche Hilfskraft im Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück an, welches ebenfalls im Oktober 2012 eröffnet wurde, und unterstütze das Institut in der Aufbauphase.[13] Er gehörte gleichzeitig zu den ersten Mitarbeitern in der Geschäftsstelle des Avicenna-Studienwerks, das im Mai 2014 feierlich eröffnet wurde und wirkte zwischen Dezember 2013 und September 2019 als hauptamtlicher Referent beim Aufbau mit.

Erkin gründete im Februar 2017 sein Social StartUp Muslim Planner, mit dem er einen speziellen Kalender und Lebensplaner für Muslime entwickelt und über die Crowdfunding-Platform startnext erfolgreich finanziert hat[14]. Seit 2019 ist er als Speaker, Coach und selbstständiger Unternehmer unterwegs und hält Vorträge zu den Themen Lebensplanung, Selbstmanagement, Digitalisierung und Produktivität.

Forschungsschwerpunkte

Zu Erkins wissenschaftlichen Schwerpunkten zählt die klassische Koranexegese (tafsīr) mit Blick auf die gegenwartsbezogenen theologischen und sozialen Entwicklungen im Lichte der Islamischen Mystik (taṣawwuf). Weiterhin forscht er zu den verschiedenen theologischen Denkschulen der Islamischen Theologie (kalām) mit einem gewissen Schwerpunkt auf die osmanische Zeit und analysiert die historischen Entwicklungen des Islams in Deutschland. Zu dieser Thematik hielt er beispielsweise die Eröffnungsrede der Karlsruher Islamwoche in 2013[15][16]. Vertieft hat er sich ebenfalls zu gegenwartsbezogenen und gesellschaftsrelevanten Themen, wie das Schächten[17], zu dem er bereits mehrere Vorträge u.a. in Sarajevo (Bosnien und Herzegowina) gehalten[18] und Presseartikel verfasst hat.[19][20][21]

Seine wissenschaftlichen Abschlussarbeiten schrieb er zu den Themen Das Osmanische Reich unter Sultan Abdülhamid II. – Strukturreformen und Modernisierungen (1876–1909)und „Und gehorchet den Befehlshabern unter euch […] (Koran, 4:59)“ – Die Bedeutung von ūlū l-ʾamr im Lichte der Koranexegese“.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Von der Hagia Sophia zur Ayasofya Moschee. GRIN Verlag 2008, ISBN 978-3-640-19448-0
  • Dhikr in klassisch islamischen Quellen und seine Praxis: Geschichte, Entwicklung und Bedeutung des Gottesgedenkens. GRIN Verlag 2010. ISBN 978-3-640-72786-5
  • Statistikbasierter Lösungsansatz für die Fehlerkorrektur in OCR-Systemen: Auf Grundlage der n-Gramm Häufigkeitstabellen von Wolfgang Schönpflug. GRIN Verlag 2010, ISBN 978-3-640-73126-8
  • Elemente islamischer Wissenschaften in Curricula spätosmanischer Schulen. In: Milad KarimiMouhanad Khorchide (Hrsg.): Jahrbuch für Islamische Theologie und Religionspädagogik, Heft 1/2012, S. 262-281.
  • Islamische Theologie an deutschen Universitäten. Ein Staatsislam im Elfenbeinturm? In: Zekai Dağaşan, Ayşegül Finke (Hrsg.): Unser Deutschland. Beiträge zur Migration & Integration. 2013. Bd. 1. Emmerthal: adal media. S. 135-141.

Artikel

Weblinks

Einzelnachweise

  1.  Das verborgene Wissen des Herzens – IslamiQ. In: IslamiQ – Nachrichten- und Debattenmagazin zu Islam und Muslimen. 5. Mai 2018, abgerufen am 28. September 2019.
  2.  Deutsche Welle (www.dw.com): İslam kürsülerinden beklentiler yüksek | DW | 15.12.2010. Abgerufen am 2. Oktober 2019 (tr-TR).
  3.  Gunhild Seyfert: Islamische Theologie als Studium: Ein Schritt zum deutschen Islam. In: Die Tageszeitung: taz. 20. Dezember 2012, ISSN 0931-9085 (taz.de[abgerufen am 2. Oktober 2019]).
  4.  “İslamofobi”de Batı medyasının ve cehaletin rolü büyük. Abgerufen am 2. Oktober 2019.
  5.  Gunhild Seyfert: Die Studenten von morgen: Im Wintersemester startet an der Uni Osnabrück das Fach Islamische Theologie. Abgerufen am 2. Oktober 2019.
  6.  Zahnräder Netzwerk – Deine Studienberatung: StudyCoach 2.0. Abgerufen am 2. Oktober 2019 (deutsch).
  7.  Sabine Schmitz, Tuba Işık (Hrsg.): Muslimische Identitäten in Europa – Dispositive im gesellschaftlichen Wandel. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2561-5, S. 35.
  8.  Üniversite rehberleriniz bu söyleşide. Abgerufen am 2. Oktober 2019 (türkisch).
  9.  Young Muslims in Germany: Taking a Stand for Society – Qantara.de. Abgerufen am 2. Oktober 2019 (englisch).
  10.  Alexander-Kenneth Nagel (Hrsg.): Religiöse Netzwerke – Die zivilgesellschaftlichen Potentiale religiöser Migrantengemeinden“. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2758-9, S. 209.
  11.  Zahnräder Netzwerk – Archiv: Konferenz 2011. Abgerufen am 2. Oktober 2019(deutsch).
  12.  Erstes Zentrum für Islamische Theologie in NRW wird eröffnet | DOMRADIO.DE.Abgerufen am 28. September 2019.
  13.  Im Zeichen des Dialogs: Bundesweit größtes Institut für islamische Theologie in Osnabrück eröffnet. Abgerufen am 28. September 2019.
  14.  Bilal Erkin: MUSLIM PLANNER. Abgerufen am 30. September 2019.
  15.  Bilal Erkin, M.A. – Islam in Deutschland zwischen Anspruch und Integration.Abgerufen am 2. Oktober 2019.
  16.  Wir brauchen Gespräche auf Augenhöhe | ipunkt-online. Abgerufen am 30. September 2019 (deutsch).
  17.  Volker Mariak: Konkurrierende Staatsziele – Religionsfreiheit vs. Tierschutz – Anmerkungen zu rechtlichen Vorgaben des rituellen betäubungslosen Schächtens gemäß TierSchG §4a Abs. 2 Nr. 2. 2. Auflage. tredition, Hamburg 2018, ISBN 978-3-7469-7640-2.
  18.  Alexander Dubrau: Recht, Religion und Minderheit. In: HIKMA – Journal of Islamic Theology and Religious Education. Nr. 7, 2013, S. 211.
  19.  Kann man „human“ schlachten? › Islamische Zeitung. 8. September 2016,abgerufen am 28. September 2019 (deutsch).
  20.  Halal oder Haram – erlaubt oder verboten? 28. Juni 2015, abgerufen am 28. September 2019.
  21.  RP ONLINE: Tierschützer vs. Islam: Schächter wider Willen. Abgerufen am 28. September 2019.

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